Mario Schmidt Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden
Mario SchmidtStadtrat der Landeshauptstadt Dresden 

(K)Ein Gymnasium für Prohlis?! - Rückblick auf die öffentliche Diskussion zur Schulnetzplanung 2017 am 01.12.2016

Mitte November 2016 hat der (noch amtierende) Schulbürgermeister Dr. Peter Lames (SPD) den Referentenentwurf zur Schulnetzplanung 2017 vorgestellt. Ausdrücklich gewünscht ist diesmal erstmals eine Diskussion durch die Öffentlichkeit. Die Bürgerschaft ist aufgefordert, bis zum
16. Dezember 2016 Stellungnahmen zum Entwurf an die Verwaltung zu schicken.

 

Mit einer öffentlichen Veranstaltung der CDU-Stadtratsfraktion wollten wir als CDU vor Ort in Prohlis insbesondere den Punkt diskutieren, dass das in der Vergangenheit fraktionsübergreifend gewünschte Gymnasium Prohlis nunmehr endgültig gestrichen werden soll.

 

Auf dem Podium im Ortsamt Prohlis hatten zur Diskussion Platz genommen:

Heike Ahnert, CDU-Stadträtin, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion

Jörg Lämmerhirt, Ortsamtleiter Ortsamt Prohlis

Bürgermeister Dr. Peter Lames, Beigeordneter der Landeshauptstadt Dresden

Falk Schmidtgen, Amtsleiter Schulverwaltungsamt der Landeshauptstadt Dresden

Moderation: Dietmar Haßler, CDU-Stadtrat

 

Unter den Gästen waren Christian Piwarz MdL, mehrere Stadträte und Ortsbeiräte sowie natürlich Bürgerinnen und Bürger aus dem Prohlis und Umgebung.

 

Bürgermeister Dr. Lames stellte zunächst den Entwurf der Schulnetzplanung noch einmal vor und erläuterte dabei auch, wie es zu der Entscheidung kam, in Prohlis nun kein allgemeinbildendes Gymnasium (ab Klasse 5) mehr ansiedeln zu wollen. Er verwies auf die aus seiner Sicht notwendige Gründung des Gymnasiums Dresden-West, für die der Standort Leutewitzer Ring 141 freigezogen werden müsse. Verwaltungsvorschlag ist, das dort beheimatete Berufsschulzentrum nach Prohlis in die (dann sanierte) Boxberger Straße umziehen zu lassen. Geplant ist, an dieses BSZ ein berufliches Gymnasium anzugliedern. Hier blieb jedoch auch auf Nachfrage offen, ob es dafür überhaupt eine Genehmigung geben wird und welche Fachrichtung dieses berufliche Gymnasium denn haben soll. Zielsetzung für allgemeinbildende Gymnasien sei, dass diese wohnortnah und verkehrsmäßig gut angebunden sind. Die Boxberger Straße käme aus diesen Gründen nicht in Frage. Fraglich ist für mich hierbei, warum Dr. Lames noch vor einem reichlichen Jahr in seiner Funktion als damaliger Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat einen fraktionsübergreifenden Antrag mitunterzeichnet hat, der genau dies forderte: das Festhalten am Stadtratsbeschluss, am Standort Boxberger Straße (wieder) ein allgemeinbildendes Gymnasium zu gründen. Nun, da Herr Dr. Lames auf der anderen Seite sitzt, stört ihn sein Geschwätz von gestern offenbar nicht mehr.

 

Heike Ahnert machte deutlich, warum Prohlis ein allgemeinbildendes Gymnasium braucht und warum der Stadtteil dafür einen Neubau verdient hat. Sie unterstrich außerdem die Eilbedürftigkeit, denn in vier Jahren wird laut Schulnetzplanung in der „Planungsregion linkselbisch Ost“ ein weiteres Gymnasium benötigt. Die Verwaltung prüft hierfür Standorte, könnte aber eigentlich an einem geeigneten Standort in Prohlis sofort mit dem Bau beginnen.

 

Auch Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt unterstrich, dass aufgrund der umliegenden Baugebiete der Bedarf in Zukunft noch zunehmen wird. Außerdem benötige gerade Prohlis keine Entmischung, sondern eine kräftige Durchmischung der sozialen Strukturen. Hier könne ein attraktives allgemeinbildendes Gymnasium vor Ort helfen, Wohnortentscheidungen junger Familien zu beeinflussen. Ein berufliches Gymnasium entwickle keine Wirkung auf den Stadtteil, doch genau das brauchen wir in Prohlis.

 

Lars Kluger, Leiter des betroffenen Berufsschulzentrums, machte in seinem Redebeitrag deutlich, warum er sich gegen einen erneuten Umzug wehrt. Denn vor dem Umzug nach Gorbitz sei dem BSZ zugesichert worden, dass es endgültig an diesem Standort etabliert wird und das Objekt zu diesem Zwecke saniert wird. Nun soll innerhalb weniger Jahre erneut ein Umzug, wieder in ein unsaniertes Objekt, welches noch dazu zu klein sei, erfolgen. Die Gründung eines beruflichen Gymnasiums am Standort Prohlis sieht Kluger skeptisch, da hierfür die Genehmigung des Freistaates erforderlich sei. Diese wird jedoch schwer zu bekommen sein aufgrund der räumlichen Nähe zum BSZ Pirna, welches seit Jahren ein nicht ausgelastetes berufliches Gymnasium betreibt.

 

Falk Schmidtgen argumentierte hinsichtlich der Suche nach einem Standort für das Gymnasium „Linkselbisch Ost“, dass der Trend eindeutig zum innerstädtischen Wohnen gehe. Diesem Trend wolle man Rechnung tragen indem man einen möglichst zentralen Standort sucht. Prohlis sei nicht zentrumsnah genug. Außerdem sei das Hülße-Gymnasium nicht weit und liegt ebenfalls im Ortsamtsgebiet Prohlis.

 

Sven Liebert, Vorsitzender des Stadtschülerrates (Stadtschülersprecher), führte aus, dass das Hülße-Gymnasium in zwei Jahren voll sei. Die Diskussion gehe eher aber darum, einen Standort in vier Jahren vorzuhalten. Wenn dann keine Kapazitäten vorhanden sind, werden Kinder und Jugendliche aus dem Dresdner Osten gezwungen sein, weite Wege in Richtung Innenstadt auf sich zu nehmen.

 

Mir ist bei der Vorbereitung auf die Veranstaltung vor allem aufgefallen, dass die Verwaltung Gorbitz und Prohlis gegeneinander ausspielt. Argumente, die nach Meinung der Verwaltung für einen Standort Gorbitz sprechen, sind bei Prohlis als Contra-Argumente aufgeführt. Damit habe ich Bürgermeister Dr. Lames direkt konfrontiert. Prohlis hat er uns im Ortsbeirat und auch in dieser Veranstaltung wieder als „Stadtrandlage“ und „nicht zentrumsnah“ verkauft. Da frage ich mich schon, ob Gorbitz näher am Zentrum liegt?! Und die gute Verkehrsanbindung für Gorbitz ist nicht besser als die Verkehrsanbindung in Prohlis, die aber als ungenügend bezeichnet wurde. Hier misst die Verwaltung mit zweierlei Maß.

 

In ihrem Abschlussstatement machte Heike Ahnert noch einmal deutlich, dass die Debatte um Vor- und Nachteile des Stadtteiles Prohlis durch die Gymnasiumsdebatte noch verstärkt wurde. Bildungsinfrastruktur kann jedoch nachhaltig auch Raumstrukturen verändern.

 

Eine (nicht repräsentative) Umfrage unter den Anwesenden, welchen Standort man sich für das künftige Gymnasium „Linkselbisch Ost“ wünsche, hat gezeigt, dass Prohlis einen Neubau bekommen soll. Dieser solle entweder an der Boxberger Straße oder an der Windmühlenstraße entstehen. Dafür werden wir als CDU auch weiterhin kämpfen.

 

Die Bürgerschaft ist nun gefragt, sich mit Stellungnahmen zum Referentenentwurf an die Verwaltung zu wenden. Erst im kommenden Jahr wird dann die Gremienvorlage erstellt und in Ortsbeirat sowie Stadtrat behandelt.

 

Getreu unserem Motto aus der Stadtratswahl 2014 bleiben wir dran. – Dresden. Wir kümmern uns drum.