Mario Schmidt Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden
Mario SchmidtStadtrat der Landeshauptstadt Dresden 

Ein neuer Parkplatz für das Festspielhaus Hellerau? 

Der Bauauschuss des Dresdner Stadtrates hat am 29.04.2020 mehr als zwei Stunden in erster Lesung über den Ankauf eines Grundstückes in Hellerau diskutiert. Ziel laut Verwaltungsvorlage ist es, in der Nähe des Festspielhauses PKW-Stellflächen zu errichten. Der bisher interimsmäßig auch als Parkplatz genutzte Vorplatz soll nach einer möglichen Sanierung des Ostflügels aus Denkmalschutzgründen künftig nicht mehr zur Verfügung stehen.


Worum geht es? Die von Heinrich Tessenow östlich und westlich angeordneten Palaishäuschen wurden in den 1930er Jahren abgerissen und durch zwei längliche Kasernenflügel ersetzt. Der Westflügel ist bereits saniert, dort sind Teile der Verwaltung sowie Künstlerwohnungen untergebracht. Der Ostflügel wartet auf eine Sanierung, Denkmalschutzförderung steht zur Verfügung. Bedingung für den Einsatz der Denkmalförderung ist wohl, dass der Vorplatz dann nicht mehr als Parkplatz genutzt wird (Tessenow hatte in diesem Bereich vier Brunnen angeordnet, die ebenfalls abgerissen wurden). Es braucht also neue Parkflächen.

 

Dafür will die Stadt das nördlich angrenzende Grundstück erwerben. In einem Wettbewerbsverfahren in den 1990er Jahren wurde dieses Gelände bereits in einen Gestaltungsentwurf einbezogen. Von daher ist es nachvollziehbar, dass die Stadt dieses Grundstück erwerben will.

 

Aber, und das ist meine Kritik: Der Verkehrswert liegt bei ca. der Hälfte des geforderten Kaufpreises. Hinzu kommen Kosten für die Altlastensanierung. Macht für dieses Grundstück rund eine Million Euro. Im Ausschuss wurden uns dann noch ein paar weitere interessante Zahlen genannt: Erschließungskosten für die Zuwegung (ca. 1,3 Mio EUR), Herstellungskosten für die Parkplatzfläche (ca. 1,1 Mio EUR), ... und dann wäre ja noch die restliche Fläche irgendwie einigermaßen ansehnlich herzurichten (die Gestaltung nach den Plänen des Wettbewerbes würde mit rund 3 Mio EUR zu Buche schlagen). 

 

Und das alles bei Sanierungskosten für den Ostflügel, die mit ca. 12 Mio EUR angegeben werden. Der Förderanteil liegt hier bei ca. 7 Mio EUR, so dass die Stadt eine Differenz von 5 Mio EUR tragen muss.

 

Überschlägig sind wir also am Ende bei ca 10 Mio EUR...

 

Ich habe mir bereits vor einigen Wochen vor Ort angesehen, welche möglichen Alternativen sich dort bieten. Beispielsweise könnte man (wenigstens interimsweise) in den nördlichen Seitenbereichen des jetzigen Geländes Parkflächen einrichten, die über den Vorplatz erreichbar sind. Falls man das nicht will, muss man wohl auch darüber nachdenken, ob die Sanierung des Ostflügels wirklich so wichtig ist. 

 

Fakt ist: Das in Frage stehende Grundstück läuft uns nicht weg. Der Eigentümer hat kaum Verkaufschancen, da die Nutzungsmöglichkeiten für diese Brachfläche aufgrund der Lage im Siedlungsbeschränkungsgebiet (Flughafen) sehr eingeschränkt sind. Insofern muss die Stadt hier weiter verhandeln und den Kaufpreis auf ein vernünftiges Maß drücken. Dann kann man in haushaltspolitisch normalen Zeiten gern auch nochmal über die Umsetzung der Pläne nachdenken.

 

Meine Position habe ich am 30.04.2020 in einer Pressemitteilung deutlich gemacht.